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In Biblis bestand bis 1933 eine kleine Gruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes unter der Leitung von Josef Happ, die durch die NS-Regierung aufgelöst wurde.

Die Mitglieder suchten den Anschluss zum Roten Kreuz.

Der niedergelassene Arzt, Dr. med. Franz Kimmler erklärte sich bereit, die Lehr- und Ausbildungsarbeit für das DRK ehrenamtlich zu übernehmen.

Damit war das Fundament für eine aktive Arbeit des DRK in Biblis gelegt.

 

Bereits am 18. März 1934 fand im Beisein von Dr. Kimmler die Abschlussprüfung durch den Kreisbereitschaftsarzt Dr. Simmet aus Birkenau statt, die mit einem sehr guten Erfolg abschloss.

 

Nach der Prüfung trafen sich alle Teilnehmer mit den Ärzten und man beschloss einstimmig die Gründung der

Freiwilligen Sanitätsgruppe Biblis vom Deutschen Roten Kreuz.

 

Alle Anwesenden wurden als neue Mitglieder aufgenommen, per Handschlag durch die Ärzte verpflichtet und aufgefordert, sich mit ganzer Kraft für die junge Gruppe und die Arbeit im Dienste des DRK einzusetzen und neue Mitglieder zu werben.

Die Gruppe wählte Dr. Kimmler zum Kolonnenarzt und Josef Happ zum Kolonnenführer.

 

Am 28. April 1934 fand bei Gastwirt Peter Kissel die erste Versammlung der Freiwilligen Sanitätsgruppe Biblis unter Vorsitz von Dr. Kimmler statt. Josef Happ verlas die Satzung, händigte den aktiven Mitgliedern die Verpflichtungsscheine zur Unterschrift aus und übergab jedem Helfer:

1 Schirmmütze, 1 weiße Armbinde mit rotem Kreuz, 1 Koppel und
1 Verbandtasche mit Inhalt.

 

Der Vorstand wurde anschließend wie folgt gewählt:

Oberste Leitung - Dr. med. Franz Kimmler
Gruppenführer - Josef Happ
Stv. Gruppenführer - Johann Schalich
Kassierer - Heinrich Lautenbach
Schriftführer - Konrad Seibert

 

Auf Punkt 1 der Tagesordnung stand bei der Versammlung am 13.07.1934: ?Uniformen?. Im Protokollbuch ist hierzu vermerkt:

Kamerad Schneidermeister Gölz hatte verschiedene Angebote sowie Muster in Uniformstoffen mitgebracht .... Es wurde beschloßen, für 10 Mann den Stoff zu bestellen. Die Kosten hierfür trägt die Kasse. Da die Kosten für die kompl. Uniform sich zu hoch belaufen würden, einigte man sich dahingehend, daß für jeden Mann vorerst nur ein Rock angefertigt werden sollte. Die Hosen sollte, soweit als möglich, jeder Kamerad aus eigener Tasche bezahlen.?

 

Es wurde angeordnet, dass die Sanitätsgruppe einen Unfall- und Rettungsdienst einrichtet und bei der Mitgliederversammlung am 12.1.1935 konnte Josef Happ bereits von über 120 Einsätzen im Gründungsjahr berichten:

öffentliche Hilfeleistungen 63 (davon 1 tödl.)

Sportdienste 62

Außerdem konnte durch die von Dr. Kimmler gehaltenen Erste-Hilfe-Lehrgänge die Zahl der Aktiven auf 23 gesteigert werden.

 

 

 

= Auszug aus dem Protokollbuch

 

Da Heinrich Lautenbach als Kassierer ausgeschieden war, waren Neuwahlen erforderlich:

Oberste Leitung - Dr. med. Franz Kimmler
Gruppenführer - Josef Happ
Stv. Gruppenführer - Valentin Häuser
Kassierer - Johann Schalich
Schriftführer - Konrad Seibert

 

Am 5.4.1935 gab Josef Happ bekannt, dass unsere Ortsgruppe auf Anordnung des DRK-Kreisverbands ab sofort in
Sanitäts-Halbzug Biblis umbenannt und der DRK-Gruppe Bürstadt unterstellt wird.
Kamerad Josef Happ wurde zu dem für Biblis zuständigen Halbzugführer ernannt.

 

Verbunden mit einer Versammlung am 06.04.35 war die feierliche Eingliederung der neuen Mitglieder in den San. Halbzug Biblis 

und Halbzugführer Happ machte zunächst die erfreuliche Mitteilung, daß vom Landesmännerverein-Darmstadt RM 200,- eingetroffen sind zwecks Ausrüstung, Uniformierung usw.. Ferner noch 2 Tragbahren und 1 Kiste Verbandsmaterial. Dadurch sind wir mit einem Schlage etwas über unsere finanziellen Schwierigkeiten hinweggekommen...?

Durch diese Unterstützung konnte vor allem der Sanitätsdienst ausgebaut werden.

 

Am 16.6.1935 legten Josef Happ und Johann Schalich erfolgreich die Prüfung als Gruppenführer  ab.

 

Bei der Mitgliederversammlung am 1.2.1936 konnte Gruppenführer Josef Happ über die erfolgreiche Arbeit der Gruppe berichten, die bei ca. 400 Einsätzen mehr als 1.000 Dienststunden geleistet hatte.

 

Die Versammlung beschloss außerdem, wer mehr als 3 x ohne Entschuldigung fehlt, wird nur noch als passives Mitglied geführt und darf am aktiven Dienst nicht mehr teilnehmen.

 

Kassierer Johann Schalich gab folgenden Bericht:

Einnahmen RM 673,92

Ausgaben RM 670,40

bleibt Kassenbestand RM 3,52

 

 

Der Beginn unserer Wanderjahre

 

Ende 1936 teilte uns die Gemeinde mit, dass wir unsere Räume aufgeben müssten, da diese von der Schule dringend benötigt würden.

Ausrüstung und Material konnten wir in einem Abstellraum der Schule unterbringen, den Lehr- und Ausbildungsbetrieb mussten wir allerdings einstellen.

Alle Bemühungen um neue Räume blieben ohne Erfolg.

 

Eine weitere Hiobsbotschaft überraschte uns 1936:

Unser Kolonnenarzt Dr. Kimmler gab seine Praxis in Biblis auf und trat als Militärarzt in den Dienst der Wehrmacht.

 

Mit vereinten Kräften und unter der Führung von Gruppenführer Josef Happ setzten wir unsere Arbeit sowie die Suche nach einer Unterkunft fort.

 

Erst Anfang 1939 wurden uns durch die Gemeinde im Haus Darmstädter Straße 12 geeignete Räume zur Verfügung gestellt, so dass wir wenigstens unsere Gerätschaften unterbringen und den Ausbildungsbetrieb wieder aufnehmen konnten. Die Ausbildung erfolgte durch Josef Happ, die Schlussprüfung durch Dr. Mayrhofer.

 

Im Laufe des Jahres mehrten sich die Anzeichen für den Ausbruch des Krieges und unsere Arbeit wurde auf ein solches Ereignis ausgerichtet.

 

Die Befürchtungen traten ein und nach Ausbruch des II. Weltkrieges am 1.9.1939 mussten die ersten fünf Kameraden einrücken. Sie wurden im Sanitätsdienst der Wehrmacht eingesetzt.

 

In den folgenden zwei Jahren kamen fast alle aktiven DRK-Helfer, so auch Josef Happ, der am 28.11.37 die Zugführerprüfung bestanden hatte, zum Kriegsdienst, so dass im Jahr 1941 die Arbeit im DRK fast zum Erliegen kam.

 

Lediglich drei Aktive unserer Gruppe blieben aus beruflichen Gründen vom Wehrdienst verschont und setzten die Rotkreuz-Arbeit fort.

 

In dieser schwierigen Zeit stellten sich auch Frauen in den Dienst des DRK, ließen sich ausbilden und unterstützten tatkräftig die Arbeit der Männer.

 

Im Jahr 1943 wurden mit Hilfe der Wehrmacht und des DRK Worms zwei Kellerräume im Haus Würz, Wattenheimer Straße, als moderne Rettungsstation mit Betten und ärztlichem Gerät eingerichtet ? fast wie ein kleiner Operationsraum.

Hier fanden Verletzte bei Fliegerangriffen, Bombenabwürfen und Granateinschlägen Hilfe und Betreuung.

 

Dies war jedoch nur möglich durch die tatkräftige Unterstützung der aktiven Frauen unserer Gruppe, die vielseitige Hilfe leisteten  sei es bei der Betreuung von Soldaten, im Luftschutzdienst, nach Bombenabwürfen in Worms u.v.a.

Stellvertretend für alle Frauen, die Enormes geleistet haben, sind hier Anna Hahn und Anna Seib genannt.